Drei Modelle von Behinderung. Teil 1: Deine Behinderung, dein Schicksal, dein Problem.

Das soziale Modell von Behinderung ist weitreichend bekannt und wird von vielen behinderten Aktivist*innen und im Rahmen des Behindertenaktivismus verwendet. Ich möchte hier ein weiteres Modell vorstellen und es so von der (kultur-)wissenschaftlichen in die aktivistische Sphäre holen. Ich beziehe mich hier immer wieder auf Anne Waldschmidts Text, den ich verkürzt und von akademischer Sprache befreit habe.

Bevor ich jedoch auf dieses Modell zu sprechen komme, möchte ich zwei der bekanntesten und wirkungsmächtigsten Modelle in Erinnerung holen um so auch die geschichtliche Dimension und Entwicklungsverlauf abbilden zu können. Es ist mir wichtig zu betonen, dass die hier vorgrstellten drei Modelle nicht die einzig vorherrschenden sind, sondern es noch weitere gibt.

In Teil 1 geht es um das individuell-medizinische Modell von Behinderung.

Die Merkmale des individuell-medizinischen Modells von Behinderung sind die Annahme einer naturalisierten Vorstellung von Behinderung und eine Festmachung des Umstandes der Behinderung am Menschen selbst. Einzelne Elemente lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, als eine „Deformation“ des Körpers auch eine „Deformation“ des Geistes bedeutete. Literarisch befindet sich dieses Bild auch heute noch in Benutzung, wie bspw. an Kapitän Ahab oder diversen Darstellungen des Bösen (Darth Vader, General Grievous, Eisenbeisser, etc. pp.) gezeigt werden kann.

Traditionell findet sich eine Dreiteilung, welche aufeinander monokausal aufbaut und insbesondere im ICIDH (International Classification of Impairment Disability and Handicap) der WHO repräsentiert war: (I) Impairment beschreibt demnach die körperliche Schädigung; (II) Disability die Unfähigkeit eine Aktivität aufgrund der Schädigung ausführen zu können; (III) Handicap schließlich umfasst die sozialen Benachteiligungen durch beide oder eines der beiden vorangegangenen.

In meinem Fall würde das beispielhaft heißen, dass ich aufgrund meiner linksseitigen Hemiparese, die durch Sehnenverkürzung und Einschränkung in der Feinmotorik gekennzeichnet ist und durch mein Schielen (beides Impairment), nicht gut Autofahren kann (Disability) und daher Benachteiligungen in der Berufswahl und dem Arbeitsmarkt habe (Handicap). Die „Lösung“ dieses Modells für meine Situation ist Therapie, um mein „persönlich-tragisches Schicksal“ zu überwinden. Das Ziel ist, mich und meinen Körper den vorhandenen Strukturen anzupassen. „Die Gesellschaft kommt bei diesem Modell nur insofern ins Spiel, als allgemein vorhandene Vorurteilsstrukturen als hinderlich für das individuelle Coping-Verhalten und die Annahme einer >behinderten Identität< betrachtet werden“ (Waldschmidt 2005: 17, Hervorhebungen im Orig.).

Teil 2 erschien am 12.02.2016.

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